Einmaldokumentation

(Abgeschlossen 2004)

 

Exemplarische Umsetzung der Einmaldokumentation unter Praxisbedingungen im Agrarsektor

 Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Rheinland-Pfalz

Durch rechtliche Änderungen der Rahmenbedingungen landwirtschaftlicher Produktion bekommen betriebliche Aufzeichnungen des Produktionsprozesses einen wesentlich höheren Stellenwert als in der Vergangenheit. Auslöser war insbesondere die im Rahmen der Harmonisierung der EU-Rechtsvorschriften erfolgte Einbeziehung der landwirtschaftlichen Urproduktion in die verschuldensunabhängige Produkthaftung, wobei es keine Rolle spielt, ob die Erzeugnisse als Lebensmittel oder nachwachsende Rohstoffe verwertet werden. Mit der von der EU in der Lebensmittelbasisverordnung (VO (EG) Nr. 178/2002) geforderten Rückverfolgbarkeit („vom Acker bis zum Teller“) halten auch in der Futtermittel- und Lebensmittelbranche die beispielsweise in der KFZ-Industrie verbreiteten Methoden des Qualitäts- und Supply Chain Managements Einzug. Den dabei geforderten Informationsflüssen kann sich die heimische Landwirtschaft nicht entziehen, wenn sie ihre Marktposition halten möchte.

Andererseits könnten die im Rahmen der “flächendeckenden“ Dokumentationspflichten gewonnenen Daten dazu genutzt werden, den Aufbau vernetzter Organisationsformen in der Praxis zu beschleunigen. Damit kann den betriebsgrößenbedingten Strukturnachteilen der Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz entgegengewirkt werden. Voraussetzung einer Förderung der o.g. Ziele ist die Verbesserung der Aufwand-Nutzen-Relation der betrieblichen Dokumentation. Mit der “Initiative Einmaldokumentation“ plant die FH Bingen die exemplarische Entwicklung und Umsetzung von IT-Komponenten im Praxiseinsatz, um für Landwirte die Möglichkeit zu schaffen, einmal erfasste Daten mehrfach zu nutzen, wie die folgenden Anwendungsfelder zeigen:

  1. Nachweise gemäß gesetzlicher Vorgaben
  2. Voraussetzungen für Marktzugang
  3. Vernetzung bzw. überbetrieblicher Informationsfluss
  4. Online-Beratung
  5. Eingabehilfen zur Erstellung von Online-Anträgen (eGovernment)

Das Projekt ist eine wichtige Grundlage zur praxisnahen und exemplarischen Entwicklung der Einmaldokumentation, die nicht nur den Dokumentations- und Verwaltungsaufwand in landwirtschaftlichen Betrieben senken soll, sondern auch bei deren Kommunikationspartnern, die zukünftig Online-Dienste anbieten wollen (z.B. in den Bereichen eGovernment oder Online-Beratung).

Die Entwicklung der internetbasierten Datendrehscheibe incl. Formularserver für die Einmaldokumentation stellt in Verbindung mit den agroXML-Eingabeassistenten eine technische Innovation dar. Gleichzeitig wird das vom Land Rheinland-Pfalz im Rahmen von Vorprojekten initiierte und von der FH Bingen unter Federführung des KTBL weiter zu entwickelnde Datenaustauschformat agroXML einem breiten Praxistest unterworfen.

Aufgabe der Fachhochschule  Bingen war die Erarbeitung der softwaretechnischen Grundlagen sowie deren exemplarische Umsetzung.

Die Laufzeit des Projektes war 07/2003 bis 12/2004.

Das Projekt wurde vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Rheinland-Pfalz gefördert und von der Fachhochschule Bingen in Zusammenarbeit mit Ackerbau-Beratungsringen bearbeitet.